Von aggresiven Stieren und teuren Maedels

Bild vom Balkon der Pfarrei in Churin. Die Band vor der Pfarrei und tanzende Menschen auf der Strasse.
Bild vom Balkon der Pfarrei in Churin. Die Band vor der Pfarrei und tanzende Menschen auf der Strasse.

 

 

 

Erstmal freut es mich zu hoeren, dass so viele Menschen sich fuer diesen Blog interessieren. Vielen Dank fuer's lesen und ich hoffe die Geduld der Leser ist durch meine Schreibfaulheit noch nicht am Ende :-).

 

Seit meinem letzten Bericht ist hier in Churin und in Chiuchin einiges passiert.

 

Zuerst will ich zur Fiesta Padronal von Churin kommen. Das ist so ziemlich das Hauptevent des Jahres, wie in den kleinen Doerfern  ebenfalls, und ist mit einem Volksfest mit Bier und Musik zu vergleichen. Das Fest in Churin unterscheidet sich jedoch von den Festen in den kleinen Bergdoerfern. Da in Churin viele Touristen wegen den Thermalquellen sind und daher auch viele Menschen wegen Arbeit hierher gezogen sind ist das Fest nicht so religioes und traditionell gepraegt, wie in den Bergdoerfern. Es gibt zwar Kirche und Prozession, doch die werden im Gegensatz zu den Stierkaempfen, die waehrend der Fiesta stattfinden, und den Tanz- und Bierfesten in der Nacht nur wenig und groestenteils von Einheimischen besucht. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Padre Wilfredo sich maechtig ueber "Degeneration" dieses Festes aufregt. Der religioese Hintergrund wird kaum noch belichtet und der groesste Teil der Maenner zum Beispiel konzentrieren sich nur darauf ihren Alkhohlpegel ueber das Wochenende aufrecht zu erhalten, und das alles fuer die Schutzheilige Virgin de la Merced! Padre Wilfredo meint, dass es so etwas in Deutschland nicht gibt. In Deutschland sagt ja keiner ich besauf mich fuer die Schutzheilige! Doch hier scheint das keinen aus die Pfarrer und mich ein wenig zu stoeren. Ich verstehe gut, dass das Alles es ein Pfarrer tierisch aufregt, vor allem auch wenn vor der Kirche eine Kapelle waehrend des Gottesdienstes spielt.

Mir hat die Fiesta auf jeden Fall gut gefallen, da am Abend mal was los war und ne Band gespielt hat wozu die Menschen ausgelassen getanzt haben. Hier tanzt wirklich jeder und so hat das ganze schon Grosskonzertstimmung gehabt. Getanzt wird zu Folkloremusik, die hier jeder kennt und jeder anscheinend gerne hoert.

Am Tag und Abend gab es auch noch reichlich viele kleine Events. So gab es auch in einem Saal mal eine typische Suppe mit verschiedenen Fleischsorten aus Churin, die, wie man mir sagte, unverkennbar waere und das Gericht Churins schlechthin sei. Dazu gabs Tschitscha (so wird es ausgesprochen aber ich weiss wie man es schreibt) ein suesser, erfrischender Saft aus Mais gebraut.

Oder es gab einen kleinen, tanzenden Umzug von etwa 40 Menschen durch die Stadt. Fahnen wurden hochgehalten und tradiotionelle Musik gespielt. Padre Wildredo meinte, dass die Leute, die aus Churin stammen und es Lima zu etwas gebracht haetten, nach Churin kommen um viele Dinge, wie zum Beispiel auch den Umzug zu organisieren nur um ihren Wohlstand zur Schau zu stellen. Daher hat es mich auch nicht verwundert, das ich die Leute im Umzug kaum kannte.

Direkt vor unserer Pfarrei hat auch tagsueber, sehr zum Leidwesen meines Langschlaefertums, eine Band oder Kapelle gespielt, wozu die Leute tanzten, wie man auch auf dem Bild erkennen kann. Und wenn man dachte man koennte mal ruhig schlafen wurde von ohrenbetaeubenden Feuerwerkskoerpern geweckt die regelmaessig ueber das ganze Wochende einen heiden Krach machten.

Was neben den Schlagerstars, die Abend spielten, ebenfalls Menschenmassen anzogen hat war die Corrida, der Stierkampf. Ich habe mir zweimal fuer jeweils 10 Soles, das entspricht etwa 2,50 Euro was relative teuer ist, das Spektakel angeschaut und muss sagen, dass ich einerseits fasziniert von der Show und andererseits abgeschreckt von der Gewalt bin. Anfangs wird noch mit den Stieren gespielt und als Clown oder Frauen verkleidete Artisten springen ueber den rennenden, aggresiven Bullen oder reizen ihn mit ihren roten Roecken. Anschliessend kommen die traditionell gekleideten Torreros, die Stierkaempfer, die mit dem roten Tuch geschickt den Stier Mal fuer Mal in das rote Nichts laufen lassen. Dazu werden dem Stier mit Widerhaken versehenden Spiessen in das Rueckrad gestochen um ihn noch aggresiver und wuetender zu machen. Nachdem jeder Stierkaempfer mal dran war wird eine Art Degen genommen und dieser waehrend dem Spiel mit dem roten Tuch dem Stier in den Koerper gerammt. Es handelt sich hier wirklich um ein brutales Spektakel, das eigentlich pure Tierquaelerei ist. Zudem ist das ganze Spektakel aus Spanien importiert. Es hat rein gar nichts mit der Tradition der Einheimischen zu tun.

Das war’s einmal zur Fiesta in Churín zu der ich abschliessend sagen muss, dass ich hier ziemlich viele Eindruecke gesammelt habe und das Fest gefeiert wird wie wenn es kein anderes gaebe. Vor allem hatte ich auch mal ein Anlass ein oder zwei Bier zu trinken.

 

Zu meiner Ueberraschung haben mich ein Paerchen, das eine Ex-Volontaria, Isabel Glaser aus Fautenbach, kennt, mich in Chiuchin besucht. Das hat mich sehr gefreut, denn waer rechnet schon damit in einer relative abgelegenen Andenregion mit Besuch aus dem Heimatland? Zum Einen war es nett Alexander und seine Freundin kennen zu lernen und zum Anderen habe ich gespuert, dass ich in der Albergue ganz angekommen bin und dort lebe und ich die Dinge schon anders sehe als zum Beispiel die zwei Touristen.

 

An diesem Wochenende habe ich auch eine deutsche Bekanntschaft gemacht. Es war ein Volontario aus Huaura hier, eine Stadt, suedlich von Churin und an der Kueste liegt. Wir haben ziemlich viele Gemeinsamkeiten entdeckt so zum Beispiel auch, dass er nur 4 Tage spaeter als ich in Peru angekommen ist und mit den gleichen Spanischproblemen zu kaempfen hatte wie ich, also er verstand am Anfang komplett auch garnichts. Doch inzwischen verstaendige ich mich schon leichtfuessiger, bzw. Leichtzuengiger mit den Menschen. Wir haben uns prima verstanden und konnten unsere Eindruecke und Erfahrungen austauschen. Zusammen werden wir nach Lima fahren und auch mal zusammen mit Viktor, ein Arbeiter aus der Pfarrei eine Bergtour unternehmen. Es ist schoen jemand im gleichen Alter getroffen zu haben und sich ueber gleiche Probleme, Interessen und Themen zu unterhalten, gerade auch weil man von so vielen anderen aus dem Ausland hoert, dass ise mit Gleichaltrigen in Projekten arbeiten.

 

Letztes Wochenende gab es ein Reinado, so etwas wie ein Schoenheitswettbewerb doch es nicht der Wettbewerb der Schoenheit sondern des Geldes. Der Erloes fliesst in die Albergue und ein Maedchen kann sich ein Jahr lang als Schoenste (oder meiner Meinung nach Teuerste) der Albergue nennen. Das Ganze laueft so ab. Es gibt zwei Tage im Ablauf. Am ersten Tag kommt es zur Wahl und am zweiten Tag zur Kroenung. Es gibt drei Maedels aus der Albergue die zum Wettbewerb antreten. Sie werden von einem Padrino oder einer Padrina, einem Helfer, begleitet. Zu meinem Glueck durfte ich ein Padrino eines Maedels sein. Mein Glueck waehrte nicht so lange, als ich erfuhr dass der Padrino am meisten Geld geben sollte, was ich einfach ignorierte. Bei der "Wahl" laufen die Maedels mit den Padrinos rum und sammeln Geld. Dies wiederholt und es gibt eine dritte Runde, bei der man dann Geld anonym geben kann und es wird natuerlich gepokert, da man nicht weiss wieviel die andere gerade bekommt. Und so hat dann mein Maedel bei diesem Poker gewonnen und zwar mit 80 Soles Vorsprung. Also das Prinzip ging komplett auf. Waehrend sich manche aergern ueberhaupt meinem Maedel so viel Soles gegeben zu haben, freut sich die Albergue ueber die Einnahmen. Auf einem der Bilder kann man dann auch sehen wie ich die Gewinnerin, die Teuerste, Pardon, die Schoenste der Albergue kroene.

 

Fuer alle die mich ueber ICQ erreichen wollen hier noch mal wichtige Informationen:

Habe nur am Wochenende Internet. Da es sich um ein Modem handelt, kann ich nicht staendig die Leitung besetzen.

Von Freitag bis Samstag habe ich von 19.00 Uhr abends bis 8.00 Uhr morgens Internet. Sonntags den ganzen Tag. Man muss zur europaeischen Zeit sieben Stunden abziehen um die Zeit in Peru zu ermitteln.

Liebe Gruesse aus den Anden an alle Leser, Marcel

Hallo aus Peru 2

Ich kann jetzt auch ueber ICQ kommunizieren. Also falls jemand mal am Wochenende Zeit hat, ich bin online so gut wie es geht.

So langsam pendelt sich das Leben hier ein. Wie schon gesagt bin ich unter der Woche in Chiuchin und am Wochenende in Churin in der Pfarrei. Leute aus dem Dorf Chiuchin hab ich noch nicht viele kennen gelernt. Doch nach und nach lerne ich die Leute kennen. Am meisten unternehme ich mit Leuten aus der Albergue. Unter anderem mit einem jungen Lehrer, mit dem ich am Freitag bei einem Fussballturnier in Jucul war. Das ist ein sehr kleines Dorf, nicht weit entfernt von Chiuchin, aber da es ueber 3000 Metern liegt braucht man mit dem Auto doch 50 Minuten von Chiuchin aus. In dem Dorf war ich schon einmal mit Padre Wilfredo beim Padronatsfest. Dieses Mal war ich nicht direkt im Dorf sondern 400 Meter abseits beim Sportplatz. Es waren ungefaehr 300 Menschen aus den umliegenden Doerfern dort, die entweder den Frauen beim Volleyball oder den Maennern beim Fussball zuschauten. Ein Bild in der Bildergalerie zeigt schoen die Hoehe des Platzes und das dazugehoerige Panorama. Der letztjaehrige Champion Chiuchin hat uebrigens gegen den Gastgeber Jucul 2:4 gewonnen, zur Freude aller angereisten Bewohner Chiuchins.

Ich habe relativ viel Freizeit, da wie mir schon vorhinein gesagt wurde, dass man sich die Aufgaben selbst suchen muss. Es werden von Tag zu Tag mehr. Wegen meiner Freizeit, ich wandere oft und plane eine kleinere Tour auf einen Berg.Der ist vielleicht so zwischen 3000 und 4000 Meter hoch.

Mein Spanisch wird von Tag zu Tag besser. Doch wie das so ist, muss ich feststellen, dass es sicher noch schneller lernt, wenn man regelmaessig Vokabeln und Formen lernt. Doch ich habe einen guten Weg zwischen Lernfaulheit und praktischer Spracherfolg gefunden.

Es ist sehr anstrengend hier die Situation zu schildern. Darum sind die Leser dieses Blogs recht herzlich eingeladen dieses wunderschoene Land zu besuchen.

Mir geht's gut, die Leute sind nett und es gibt keine Probleme.

Viele liebe Gruesse an die ganze Familie und alle Freunde, Marcel

Hallo aus Peru

Das ist meine erste Blognachricht. Es ist schwer alle wichtigen Dinge der letzten paar Tage zu sammeln, doch ich versuche es.

Zuerst einmal faellt einem vielleicht das Bild, das meinen Blog schmueckt, auf. Das ist Churin (wer moechte kann bei Googlemaps "Churin Peru" eingeben, um zu erfahren wo Churin liegt). Hier verbringe ich das Wochenende mit Padre Wilfredo, der aus Dossenheim stammt, und Padre Pablo, ein junger, freundlicher Priester hier aus der Gegend. Auf dem Bild rechts kann man ein Gebaeude mit einem roten Dach sehen, das ist die Kirche von Churin. Direkt links nebenan befindet sich die Pfarrei, wo ich am Wochenende lebe.

Unter der Woche bin ich in Chiuchin, ca. eine Autostunde entfernt. Man koennte denken das liegt jetzt ca. 60 km entfernt. Es gibt nur maessig passierbare Schotterwege, die die Fahrt dorthin schon zu einem seghr kleinen Abenteuer machen. In Chiuchin lebe ich in einem Internat, die Albergue, fuer Kinder, das ungefaehr 50 Schueler und Schuelerinnen vergleichsweise im Alter von 7-11. Klaesslern beherbergt. Dort helfe ich in der Kueche oder was halt anfaellt. An den ersten beiden Tagen habe ich drei Maurern geholfen, die dort von der Pfarrei finanzierte kleine, schlichte Herberge bauen. Das war interessant und ich hab einen kleinen Einblick in die Arbeit eines peruanischen Maurersbekommen. Mit den Lehrern der nebenanliegenden Schule, von denen auch ein paar in der Albergue wohnen, habe ich mich schon ein wenig angefreundet.

Am zweiten Abend hatte ein Lehrer Geburtstag und dann musste ich auch gleich bei einer kleinen Fiesta suedamerikanischen Tanz lernen. Das hat wirklich Spass gemacht. Hier wird viel mehr getanzt als in Deutschland und das festeln ist viel ungezwungener. Das Beste was ich aber erfahren habe ist, dass von Montag bis Donnerstag die Jungs der Schule und der Albergue Fussball zocken J. Leider hatte ich noch letzte wegen der Essensumstellung bisschen Magenprobleme, die sich jetzt aber gelegt haben. Ich freu mich schon riesig darauf morgen um 17.00 Uhr zu kicken.

Alles  in allem ist hier alles prima und ich hoffe den Lesern dieses Blogs geht es gut in Deutschland. Viele Gruesse aus Peru, Marcel